wahrbiträr - wahrheit&willkür

Was haben Erdogans Vergleich und ein Fußballspieler gemeinsam?

Sie hinken nach einer Schwalbe.Eine Schwalbe ist die Bezeichnung für eine Simulierung im Sport, eine Vortäuschung. Erdogan hat mit seinem jüngsten Vergleich seiner Säuberungen mit der Wiedervereinigung Deutschlands genau das getan: Er täuscht vor, etwas tun zu müssen, was notwendig sei.Sehen wir uns seine Aussagen genauer an: „Ihr habt das bei der Wiedervereinigung in noch größerem Ausmaß betrieben“„Ihr habt das gemacht, und dann wollt ihr uns belehren.“Ein kurzer historischer Exkurs: Was ist bei der Wiedervereinigung passiert? Die BRD und die DDR vereinten sich zur heutigen Bundesrepublik. Geteilt waren sie, weil die Siegermächte nach dem 2. Weltkrieg dies so wollten. Urheber des 2. WKs war maßgeblich Hitler, die NSDAP. Angst, Schrecken und Tod brachten sie mit. Nach dem Krieg wurde Ostdeutschland also zur DDR. Entgegen des Namens war die Regierung keineswegs demokratisch, was aber Bedingung für eine erfolgreiche Wiedervereinigung war. Hinzu kamen noch eine Art Planwirtschaft, Kontrolle, Überwachung und Gefängnis. Wenn jemand unter einem System aufwächst und die geltenden Normen und Regeln indoktriniert bekommt, habitualisiert er diese. Vor allem, wenn diese Person die Vorzüge des Wirkens an der Seite des Systems erkennt. Aus der Soziologie ist bekannt, dass Gedanken real werden, wenn sie für wahr angenommen werden. Wenn also jemand die DDR als gut empfindet, dann verhält er sich auch positiv und unterstützend zu ihr. Kommt irgendwann ein großer politischer Bruch wie die Wiedervereinigung, kann es bei betreffender Person zur Anomie kommen. Was ist los? Was wird sein? Ich möchte damit niemandem sein Reflexionsvermögen absprechen, das eine Umkehr, eine Abwendung ermöglicht. Aber dies geschieht nicht von heute auf morgen. Deshalb mussten betreffende Personen aus dem Regierungsapparat entlassen werden.Was besagt Erdogans Vergleich?Er muss seinen Staat säubern, damit eine Wiedervereinigung stattfinden kann. Die Türkei ist also gespalten. Nun gut, das ist nichts Neues. Interessant ist dennoch, was mit dem Vergleich daherkommt. Sieht man die Gülen-Bewegung als DDR, also als das, was einverleibt werden muss, dann folgen sie der falschen Ideologie. Anders als bei der DDR, kommt die Ideologie nicht von einem Besatzer, sondern vom Vater der Türkei höchstpersönlich: Von Atatürk. Denn die Gülen-Bewegung mitsamt dem Militär versteht sich als Bollwerk des Laizismus, und Atatürk brachte den Laizismus in die Türkei. Nehmen wir die durch Atatürk eingebrachte Diskrepanz zwischen Laizismus und politischem Islam als Ausgangspunkt für die Spaltung der Türkei, dann könnten wir völlig zugespitzt konstatieren, das für Erdogan der Vater der Türkei wie Hitler ist. Atatürk der Unheilsbringer. Dass Erdogan nichts auf den Laizismus gibt, machte er in der Vergangenheit vermehrt durch seine Handlungen deutlich. Folgender Satz im Zuge seines Vergleiches ist nur eine weitere Lackschicht auf seinem tatengebäude:„Nicht sie werden dieses Land, sondern wir werden sie in die Knie zwingen.“Weshalb hinkt sein Vergleich? Weil in der DDR das politische System vorgegeben war und bei der Wiedervereinigung ausgewechselt wurde. In der Türkei ist das politische System ebenfalls vorgegeben – durch Erdogan und durch den politischen Islam. Die Gülen-Bewegung hat sich von Erdogans Dogma losgesagt, wurde also nicht indoktriniert. Die Gefolgschaft zu Atatürk ist eine Abwendung vom etablierten System. Eine Abkehr aus Reflexion, aus der eigenen Vernunft heraus.Ich berufe mich auf den Artikel der dpa vom 10.08.2016 „Erdogan vergleicht Säuberungen mit der Wiedervereinigung“.Bleib aufmerksam. Bleib interessiert.

29.8.16 21:24

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